Thermomix Kloßteig aus rohen Kartoffeln: Acht Klöße, ohne Fertigmischung!
Rohe Klöße sind für mich das Sonntagsgericht schlechthin – und gleichzeitig das, wovor die meisten zurückschrecken. Die Kartoffeln müssen gerieben, ausgedrückt und schnell verarbeitet werden, sonst laufen sie grau an. Genau an dieser Stelle hilft der Mixtopf: Er reibt das Kilo in Sekunden, statt dass du zehn Minuten am Reibeisen stehst.
Der Rest ist Handarbeit und ein bisschen Ruhe. Aus 1 kg mehligkochenden Kartoffeln werden acht Klöße, ohne eine einzige Tüte Fertigmischung. Der abgesetzte Kartoffelstärke wird mitverwendet, das ist das Geheimnis der Bindung. Wer einen anderen Küchenroboter mit Heizfunktion besitzt, kann genauso arbeiten – gerieben wird ohnehin kalt, geheizt nur für die Milch.
Zutaten
- 1 kg mehligkochende Kartoffeln, geschält und geviertelt
- 1 l kaltes Wasser mit 1 EL Essig zum Wässern
- 150 ml Milch
- 40 g Kartoffelstärke
- 1,5 TL Salz
- 1 Prise Muskatnuss, frisch gerieben
- 1 altbackenes Brötchen, in kleine Würfel geschnitten
- 20 g Butter zum Rösten der Würfel
- Salz für das Kochwasser
Zubereitung
Schritt 1: Kartoffeln reiben
Gib die geviertelten Kartoffeln portionsweise – etwa 500 g auf einmal – in den Mixtopf und zerkleinere sie 8 Sekunden auf Stufe 6. Es entsteht eine feuchte, feine Masse. Fülle sie sofort in ein Sieb mit Küchentuch über einer Schüssel um und mache die zweite Portion. Schnelligkeit zählt hier mehr als Genauigkeit, denn rohe Kartoffelmasse verfärbt sich an der Luft innerhalb weniger Minuten.
Schritt 2: Ausdrücken und Stärke absetzen lassen
Schlage das Tuch zusammen und drücke die Masse mit beiden Händen kräftig aus, bis kaum noch Saft kommt. Der milchige Saft in der Schüssel bleibt stehen. Lass ihn 10 Minuten ruhen: Am Boden setzt sich eine weiße, feste Schicht ab, das ist die natürliche Kartoffelstärke. Gieße die trübe Flüssigkeit vorsichtig ab und bewahre die Schicht auf.
Schritt 3: Milch aufkochen und abbrühen
Spüle den Mixtopf aus, gib die 150 ml Milch hinein und erhitze sie 3 Minuten / 100 °C / Stufe 1. Gib ein Drittel der ausgedrückten Kartoffelmasse in eine große Schüssel und gieße die kochende Milch darüber, während du sofort mit dem Löffel rührst. Diese Portion verkleistert und wird glasig – sie ist der Kleber, der die Klöße zusammenhält.
Schritt 4: Teig zusammenfügen
Rühre die abgesetzte Stärke, die restliche rohe Kartoffelmasse, die 40 g Kartoffelstärke, Salz und Muskat unter die heiße Mischung. Knete alles mit den Händen zügig zu einem glatten, leicht klebrigen Teig. Er soll sich formen lassen, ohne an den Fingern hängen zu bleiben – ist er zu nass, gib löffelweise Stärke nach. Röste die Brötchenwürfel in der Butter goldbraun.
Schritt 5: Formen und ziehen lassen
Forme mit nassen Händen acht gleich große Klöße und drücke in jeden ein paar geröstete Würfel in die Mitte. Setze sie in reichlich gesalzenes, nur leicht simmerndes Wasser – es darf nicht sprudeln, sonst zerfallen sie. Lass sie 20 Minuten ziehen, bis sie oben schwimmen, und hebe sie mit der Schaumkelle heraus.
Omas Tipps
- Essigwasser gegen die Graufärbung. Lege die geschälten Kartoffelviertel bis zum Reiben in kaltes Wasser mit einem Esslöffel Essig. Ohne diesen Schritt werden die geriebenen Kartoffeln innerhalb von Minuten grau bis bläulich – im fertigen Kloß sieht man das deutlich.
- Die abgesetzte Stärke ist Pflicht. Viele gießen den trüben Saft komplett weg und wundern sich, dass die Klöße auseinanderfallen. Die weiße Schicht am Schüsselboden ist reine Kartoffelstärke – sie ersetzt einen guten Teil dessen, was sonst in der Fertigmischung steckt.
- Erst einen Probekloß. Setze einen einzigen Kloß ins Wasser und warte fünf Minuten. Bleibt er ganz, kannst du die restlichen sieben hineingeben. Zerfällt er, knete zwei Esslöffel Kartoffelstärke unter den Teig und teste erneut – das rettet die ganze Portion.
Aufbewahrung & Haltbarkeit
Gekochte Klöße hältst du im Kühlschrank 2 Tage. Lege sie nebeneinander in eine Dose, nicht gestapelt, und decke sie luftdicht ab, sonst trocknet die Oberfläche zu einer zähen Haut. Zum Aufwärmen legst du sie 8 Minuten in nur simmerndes Wasser oder schneidest sie in Scheiben und brätst sie in Butter goldbraun – so mag ich sie fast am liebsten.
Rohen Kloßteig solltest du nicht aufbewahren, er verfärbt sich schon nach einer Stunde. Gekochte Klöße lassen sich dagegen gut einfrieren: einzeln auf einem Blech anfrieren, dann in den Beutel, 2 Monate haltbar. Gib sie gefroren direkt ins simmernde Wasser und rechne mit 12 Minuten, dann bleibt die Mitte locker.
Häufige Fragen
- Kann ich auch festkochende Kartoffeln nehmen?
- Davon rate ich ab. Festkochende Sorten enthalten zu wenig Stärke, der Teig bindet nicht und die Klöße lösen sich im Wasser auf. Mehligkochende Kartoffeln, am besten eine Woche alt und nicht frisch geerntet, geben die beste Bindung.
- Warum darf das Wasser nicht kochen?
- Sprudelndes Wasser bewegt die Klöße zu stark, bevor die Außenschicht fest geworden ist, und sie brechen auf. Bring das Wasser einmal zum Kochen, drehe dann zurück, bis nur noch vereinzelt Blasen aufsteigen, und lege die Klöße erst dann hinein.
- Meine acht Klöße waren unterschiedlich groß – stört das?
- Ja, denn die Garzeit von 20 Minuten gilt für Klöße von etwa 150 g. Wiege den Teig lieber ab und teile ihn in acht gleiche Stücke. Sonst ist der kleinste schon zerfallen, während der größte innen noch roh schmeckt.

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