Omas Küche – einfache Rezepte, Schritt für Schritt erklärt

Rezepte der Oma
Kartoffelgerichte

Kartoffelklöße aus rohen Kartoffeln: Omas Rezept, das nie zerfällt!

Kartoffelklöße aus rohen Kartoffeln: Omas Rezept, das nie zerfällt!
Portionen 4 (etwa 10 Klöße)
Vorbereitung 35 Minuten
Garzeit 20 Minuten
Gesamt 1 Stunde 10 Minuten

Rohe Kartoffelklöße haben in vielen Küchen einen schlechten Ruf, und ich weiß genau, woran das liegt. Fast jeder kennt den Moment, in dem der erste Kloß im Topf still auseinanderfällt und man nur noch eine trübe Brühe vor sich hat. Bei meiner Mutter ist das nie passiert, und sie hat mir irgendwann verraten, warum: Es liegt weder am Mehl noch am Ei, sondern an der Stärke, die man aus dem Kartoffelwasser zurückgewinnt.

Genau dieser eine Handgriff macht den Unterschied. Die geriebenen rohen Kartoffeln werden ausgepresst, das trübe Wasser steht eine Viertelstunde, und unten setzt sich eine weiße, feste Schicht ab — die kommt zurück in den Teig. Dazu ein Teil gekochter Kartoffeln, der dem Ganzen Halt gibt, und mehr braucht ein ordentlicher Kloß nicht. Wer so arbeitet, kann den Topf beruhigt allein lassen.

Zutaten

  • 1 kg mehligkochende Kartoffeln für den rohen Teil
  • 500 g mehligkochende Kartoffeln zum Kochen
  • 1 TL Salz für den Teig
  • 1 Prise frisch geriebene Muskatnuss
  • 2 EL Kartoffelstärke (falls die abgesetzte Stärke nicht reicht)
  • 1 Scheibe Weißbrot vom Vortag
  • 20 g Butter zum Rösten der Brotwürfel
  • 50 g Butter für die Bräune
  • 2 EL Semmelbrösel
  • 1 EL gehackte Petersilie
  • Salz und Wasser zum Kochen

Zubereitung

Schritt 1: Die gekochten Kartoffeln vorbereiten

Schäle die 500 g Kartoffeln, schneide sie in gleich große Stücke und koche sie in Salzwasser 20 Minuten weich. Gieße sie ab und lass sie im Topf kurz ausdampfen, bis keine Feuchtigkeit mehr aufsteigt. Drücke sie noch heiß durch die Kartoffelpresse in eine große Schüssel und lass die Masse vollständig abkühlen. Warme Presskartoffeln machen den Teig später klebrig.

Schritt 2: Rohe Kartoffeln reiben und pressen

Schäle nun das 1 kg rohe Kartoffeln und reibe sie sehr fein direkt in eine Schüssel mit kaltem Wasser, damit sie nicht braun anlaufen. Gib die Masse portionsweise in ein sauberes Küchentuch und presse sie mit beiden Händen so kräftig aus, wie du kannst. Fange das ablaufende Wasser in einer hohen Schüssel auf — das ist dein wichtigstes Werkzeug. Die ausgepressten Raspel sollen sich fast trocken anfühlen.

Schritt 3: Die Stärke zurückholen

Lass das aufgefangene Kartoffelwasser 15 Minuten ruhig stehen. Am Boden setzt sich eine weiße, dichte Schicht ab, das ist die reine Kartoffelstärke. Gieße das trübe Wasser vorsichtig ab, ohne die Schicht aufzuwirbeln, und kratze die Stärke mit einem Löffel zu den ausgepressten Raspeln. Ist die Schicht dünner als ein Esslöffel, gleichst du mit den zwei Esslöffeln gekaufter Kartoffelstärke aus.

Schritt 4: Teig kneten

Gib die kalten Presskartoffeln, die rohen Raspel mit der Stärke, das Salz und den Muskat in eine Schüssel. Knete alles mit den Händen zügig zu einem gleichmäßigen, leicht grauen Teig — er darf ruhig etwas feucht wirken, soll sich aber von der Schüssel lösen. Lange kneten macht ihn zäh, zwei Minuten genügen. Mache eine Probe: Forme einen kleinen Kloß und gib ihn in siedendes Wasser. Bleibt er heil, ist der Teig richtig; zerfällt er, knete einen weiteren Esslöffel Stärke unter.

Schritt 5: Klöße formen

Röste die Weißbrotwürfel in 20 g Butter goldbraun und lass sie abkühlen. Feuchte deine Hände mit kaltem Wasser an und forme aus dem Teig zehn gleich große Kugeln von etwa der Größe eines kleinen Apfels. Drücke in jede Kugel drei Brotwürfel in die Mitte und schließe den Teig sorgfältig darüber, bis die Oberfläche völlig glatt ist. Jeder Riss ist eine Stelle, an der später Wasser eindringt.

Schritt 6: Ziehen lassen, nicht kochen

Bring einen weiten Topf mit reichlich Salzwasser zum Kochen und nimm ihn dann so weit zurück, dass die Oberfläche nur noch leicht zittert. Lege die Klöße mit einem Schaumlöffel nacheinander hinein und lass sie 20 Minuten ziehen, ohne Deckel. Nach etwa zwölf Minuten steigen sie von allein an die Oberfläche. Nimm sie heraus, lass sie kurz abtropfen und übergieße sie mit der in 50 g Butter gerösteten Semmelbrösel-Mischung und der Petersilie.

Omas Tipps

  • Das Kartoffelwasser ist kein Abfall. In einem Kilo roher Kartoffeln stecken gut zwei Esslöffel reine Stärke, und genau die bindet den Teig. Wer das Wasser wegschüttet, muss den Verlust mit gekaufter Stärke ausgleichen und bekommt festere, weniger aromatische Klöße. Gieße daher immer vorsichtig ab und opfere lieber einen Rest Wasser, als die Schicht aufzuwirbeln.
  • Das Wasser darf nie sprudeln. Kochende Blasen schlagen gegen die weiche Oberfläche und reißen sie auf — das ist die häufigste Ursache für zerfallene Klöße. Halte die Temperatur bei etwa 95 °C, erkennbar an kleinen Bläschen am Topfrand und einer nur leicht bewegten Oberfläche. Ein Deckel bringt das Wasser sofort wieder zum Sprudeln, lass ihn weg.
  • Zwei Drittel roh, ein Drittel gekocht. Dieses Verhältnis von 1 kg zu 500 g gibt die glasige Bissfestigkeit der rohen Klöße und gleichzeitig genug Halt aus der gekochten Kartoffel. Mehr gekochter Anteil macht sie mehlig und schwer, weniger macht sie rutschig und empfindlich im Topf.

Aufbewahrung & Haltbarkeit

Gekochte Klöße halten sich im Kühlschrank drei Tage. Lass sie erst vollständig auskühlen und lege sie dann nebeneinander in eine Dose, ohne sie zu stapeln, denn warm gestapelt kleben sie zusammen. Decke sie fest ab, sonst nehmen sie den Geruch anderer Speisen an. Am schönsten schmecken die Reste, wenn du sie am nächsten Tag in Scheiben schneidest und in Butter goldbraun brätst — bei uns heißt das Kloßscheiben und ist fast beliebter als das Original.

Der rohe Teig lässt sich nicht aufbewahren: Er verfärbt sich innerhalb einer halben Stunde grau bis bräunlich und verliert Wasser. Fertig gekochte Klöße kannst du dagegen einzeln einfrieren, sie halten drei Monate. Zum Aufwärmen legst du sie gefroren für 25 Minuten in leicht siedendes Wasser, nicht in die Mikrowelle, sonst wird der Kern gummiartig.

Häufige Fragen

Warum werden meine rohen Kartoffeln grau?
Das ist eine ganz normale Reaktion der Kartoffel mit Sauerstoff und völlig unbedenklich. Reibe die Kartoffeln deshalb direkt in kaltes Wasser und arbeite danach zügig weiter, dann bleibt der Teig hell. Eine leichte Graufärbung verschwindet beim Garen ohnehin fast vollständig.
Kann ich die Klöße ohne Brotwürfel machen?
Ja, sie halten auch ohne Füllung zusammen, denn die Würfel sind reine Geschmackssache. Allerdings saugen sie beim Garen etwas Feuchtigkeit aus der Mitte und machen den Kloß dort lockerer. Lässt du sie weg, forme die Kugeln etwas kleiner, damit der Kern in den 20 Minuten sicher durchgart.
Welche Kartoffeln muss ich nehmen?
Mehligkochende Sorten wie Adretta oder Afra sind Pflicht, sowohl für den rohen als auch für den gekochten Teil. Sie enthalten viel Stärke, und genau davon lebt dieses Rezept. Mit festkochenden Kartoffeln setzt sich im Kartoffelwasser kaum etwas ab, der Teig bleibt wässrig und die Klöße lösen sich im Topf auf.
Kartoffelklöße aus rohen Kartoffeln: Omas Rezept, das nie zerfällt!
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