Omas Küche – einfache Rezepte, Schritt für Schritt erklärt

Rezepte der Oma
Getreide-, Reis- & Hülsenfruchtsalate

Bulgursalat wie Kisir: Türkisch, würzig, für 6 Personen!

Bulgursalat wie Kisir: Türkisch, würzig, für 6 Personen!
Portionen 6
Vorbereitung 25 Minuten
Gesamt 55 Minuten
Ruhezeit 30 Minuten (Quellzeit des Bulgurs)

Meine Nachbarin Ayşe hat mir das beigebracht, an einem Nachmittag in ihrer Küche, an dem ich eigentlich nur Zucker ausleihen wollte. Sie stand über einer riesigen Schüssel und knetete etwas Rotes mit bloßen Händen durch. Kisir, sagte sie, und drückte mir einen Salatblattlöffel davon in die Hand. Seitdem mache ich ihn selbst, und zwar immer in der großen Menge – unter sechs Portionen lohnt sich die Arbeit kaum, und übrig bleibt sowieso nie etwas.

Das Besondere: Der Bulgur wird nicht gekocht. Du übergießt ihn mit heißem Wasser und lässt ihn quellen, dann arbeitest du Tomatenmark, Granatapfelsirup und Öl mit den Händen ein, bis jedes Korn rotbraun gefärbt ist. Danach kommt so viel gehackte Petersilie dazu, dass man erst denkt, das kann nicht stimmen. Genau das macht den Salat aus. Serviert wird er kühl, mit knackigen Salatblättern zum Aufnehmen, für 6 Personen als Hauptsache oder für viele mehr als Beilage.

Zutaten

  • 300 g feiner Bulgur
  • 400 ml heißes Wasser
  • 3 EL Tomatenmark
  • 1 EL scharfe Paprikapaste (ersatzweise 1 TL Paprikapulver rosenscharf)
  • 6 EL Olivenöl
  • 4 EL Granatapfelsirup
  • 3 EL Zitronensaft
  • 2 Bund glatte Petersilie (ca. 120 g)
  • 6 Frühlingszwiebeln
  • 1 Salatgurke (ca. 300 g)
  • 3 Tomaten (ca. 300 g)
  • 2 TL getrocknete Minze
  • 1 TL gemahlener Kreuzkümmel
  • 1 Kopf Römersalat zum Servieren
  • 1 Zitrone in Spalten
  • Salz und schwarzer Pfeffer

Zubereitung

Schritt 1: Bulgur quellen lassen

Gib den feinen Bulgur in eine große Schüssel – nimm die größte, die du hast, hier kommt noch viel dazu. Übergieße ihn mit 400 ml heißem Wasser, rühre einmal um und decke die Schüssel mit einem Teller ab. Lass ihn 30 Minuten stehen. Danach ist das Wasser vollständig aufgesogen und die Körner sind weich, aber trocken an der Oberfläche. Lockere sie mit der Gabel auf.

Schritt 2: Die Paste einkneten

Gib Tomatenmark, Paprikapaste, 6 EL Olivenöl, den Granatapfelsirup, den Zitronensaft, Kreuzkümmel und die zwischen den Fingern zerriebene Minze zum Bulgur. Jetzt kommen die Hände zum Einsatz: Knete und reibe die Masse fünf Minuten lang durch, bis wirklich jedes Korn gleichmäßig rotbraun gefärbt ist. Mit dem Löffel bekommst du das nicht hin – der Sirup verteilt sich nur unter Druck.

Schritt 3: Gemüse schneiden

Wasche die Petersilie, schleudere sie trocken und hacke sie sehr fein, die zarten Stiele kommen mit hinein. Die Frühlingszwiebeln schneidest du samt dem grünen Teil in dünne Ringe. Die Gurke schälst du streifig, halbierst sie längs, kratzt mit dem Löffel die wässrigen Kerne heraus und würfelst sie klein. Die Tomaten entkernst du ebenfalls und schneidest sie in kleine Würfel.

Schritt 4: Alles vermengen

Gib Petersilie, Frühlingszwiebeln, Gurke und Tomaten zum gefärbten Bulgur. Hebe alles mit den Händen locker unter, statt zu rühren – so bleibt der Salat luftig und die Gurkenwürfel zerdrücken nicht. Die Menge Grün sieht zunächst nach zu viel aus, aber sie fällt beim Mischen deutlich zusammen. Salze kräftig und mahle reichlich Pfeffer darüber.

Schritt 5: Abschmecken und kühlen

Probiere jetzt genau. Kisir braucht drei Dinge im Gleichgewicht: Säure vom Zitronensaft, Süße vom Granatapfelsirup und Salz. Fehlt Frische, gib einen weiteren Spritzer Zitrone dazu; schmeckt er flach, fehlt meist Salz. Stelle den Salat mindestens 20 Minuten kalt, damit die Aromen sich setzen, und rühre vor dem Servieren noch einmal locker durch.

Schritt 6: Anrichten

Löse die Blätter vom Römersalat, wasche sie und lege sie rund um eine flache Platte. Häufe den Bulgursalat in die Mitte und stecke die Zitronenspalten an den Rand. Gegessen wird er traditionell, indem man einen Löffel Salat in ein Salatblatt gibt, es zusammenrollt und aus der Hand isst. Ein Schuss Olivenöl obendrauf schadet nicht.

Omas Tipps

  • Nur feiner Bulgur. Grober Bulgur saugt das heiße Wasser nicht vollständig auf und bleibt in der Mitte hart, weil hier nicht gekocht wird. Auf der Packung steht meist „fein“ oder „Köftelik“. Nimmst du groben, musst du ihn stattdessen 12 Minuten köcheln – und der Salat wird schwerer.
  • Granatapfelsirup ist nicht ersetzbar. Er bringt die dunkle, süßsaure Note, die Kisir von jedem anderen Bulgursalat unterscheidet. Im türkischen Laden heißt er Nar Ekşisi. Im Notfall nimmst du 3 EL Zitronensaft mit 1 TL braunem Zucker, aber es bleibt eine Annäherung.
  • Gurke und Tomate entkernen. Das Kerngehäuse ist reines Wasser und sammelt sich am Boden der Schüssel, wo der Bulgur aufweicht. Ein Löffelzug bei der Gurke und ein Daumendruck bei der Tomate reichen – dafür hält sich der Salat zwei Tage, ohne zu suppen.

Aufbewahrung & Haltbarkeit

Im Kühlschrank hält sich Kisir in einer verschlossenen Dose 2 bis 3 Tage. Drücke ihn leicht an und decke ihn luftdicht ab, damit die Oberfläche nicht austrocknet. Am zweiten Tag schmeckt er sogar runder, weil der Granatapfelsirup vollständig in den Bulgur gezogen ist. Nur die Petersilie wird dunkler – hebe vor dem Servieren eine frisch gehackte Handvoll unter, dann sieht er wieder lebendig aus. Die Salatblätter bereitest du immer frisch zu.

Zum Einfrieren ist dieser Salat nicht geeignet. Gurke und Tomate zerfallen beim Auftauen zu Wasser, die Petersilie wird schwarz und schleimig, und der gequollene Bulgur verliert seine körnige Struktur. Wenn du vorarbeiten willst, mache am Vortag nur den gefärbten Bulgur aus Schritt 1 und 2 und mische das Gemüse kurz vor dem Essen unter.

Häufige Fragen

Reichen 300 g Bulgur wirklich für 6 Personen?
Ja, denn der Bulgur verdoppelt beim Quellen sein Volumen, und dazu kommen noch rund 700 g Gemüse und Kräuter. Als Hauptgericht mit Salatblättern wird davon jeder satt. Als Beilage zu Gegrilltem reicht dieselbe Menge sogar für zehn Personen.
Wie scharf soll Kisir sein?
Traditionell deutlich schärfer, als man es hier gewohnt ist. Mit 1 EL Paprikapaste bleibt er angenehm mild-würzig; wenn du es kräftiger magst, nimm 2 EL oder gib zusätzlich eine Prise Pul Biber dazu. Mit Kindern am Tisch lässt du die Paste weg und würzt nur mit süßem Paprikapulver.
Mein Bulgur ist noch feucht und klebt – was tun?
Dann war entweder zu viel Wasser im Spiel oder die halbe Stunde war noch nicht um. Lass ihn offen weitere 15 Minuten stehen und lockere ihn zwischendurch mit der Gabel auf. Erst danach das Öl und den Sirup einkneten, sonst verkleben die feuchten Körner zu Klümpchen.
Bulgursalat wie Kisir: Türkisch, würzig, für 6 Personen!
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