Apfel-Meerrettich-Aufstrich: 300 g, süß-scharfe Kombination!
Meine Mutter hat diesen Aufstrich immer gemacht, wenn ein Rest kalter Braten übrig war und das Brot vom Vortag hart wurde. Apfel und Meerrettich sind ein altes Paar: der Apfel bringt Süße und Saft, der Meerrettich die Schärfe, und dazwischen liegt genau der Moment, in dem man den Löffel noch einmal in das Glas taucht. Süß-scharf, mehr braucht es nicht.
Einfach ist dieser Aufstrich, weil er ohne Kochen auskommt. Du reibst zwei Dinge, rührst sie in Schmand und lässt sie eine halbe Stunde stehen. In dieser Zeit zieht der Apfelsaft in die Creme und mildert die Schärfe genau so weit, dass sie hinten im Rachen warm wird statt zu stechen. Am Ende stehen 300 g in deinem Glas, hell und mit sichtbaren Apfelstückchen.
Zutaten
- 150 g säuerlicher Apfel, geschält und entkernt gewogen (etwa 1 mittelgroßer Boskop oder Elstar)
- 40 g frischer Meerrettich, geschält gewogen
- 90 g Schmand
- 15 g Zitronensaft (etwa 1 Esslöffel)
- 1 Teelöffel flüssiger Honig
- 1/2 Teelöffel Salz
- frisch gemahlener weißer Pfeffer
- 1 Prise gemahlener Kümmel (nach Geschmack)
Zubereitung
Schritt 1: Apfel reiben und säuern
Schäle den Apfel, schneide ihn in Viertel und entferne das Kerngehäuse großzügig. Wiege 150 g ab und reibe sie auf der groben Seite der Reibe in eine Schüssel; grob geraspelt bleiben kleine Stückchen sichtbar, und genau die willst du im Aufstrich haben. Gib sofort den Zitronensaft darüber und wende die Raspel einmal durch, sonst werden sie innerhalb von Minuten braun.
Schritt 2: Meerrettich fein reiben
Schäle die Meerrettichwurzel dünn und wiege 40 g ab. Reibe sie auf der feinsten Seite der Reibe, so fein wie möglich, damit keine harten Fasern im Aufstrich bleiben. Dreh das Gesicht dabei zur Seite, die Dämpfe treiben einem die Tränen in die Augen. Gib den geriebenen Meerrettich direkt zu den gesäuerten Apfelraspeln und mische beides mit einer Gabel.
Schritt 3: Mit Schmand binden
Rühre die 90 g Schmand in einer zweiten Schüssel kurz glatt und hebe dann die Apfel-Meerrettich-Mischung in zwei Portionen unter. Arbeite mit dem Löffel und hebe von unten nach oben, statt zu rühren, dann zerfallen die Apfelstückchen nicht zu Mus. Die Masse soll dick und stückig sein, nicht glatt. Wenn viel Apfelsaft in der Schüssel steht, gieße ihn vorher ab.
Schritt 4: Abschmecken
Rühre den Honig ein, dann Salz, weißen Pfeffer und die Prise Kümmel. Probiere jetzt auf einem Stückchen Brot statt vom Löffel, auf Brot schmeckt alles eine Spur milder, und du salzt sonst zu wenig. Die Süße soll den Apfel unterstützen und nicht selbst hervortreten; wenn dein Apfel sehr sauer ist, darf ein halber Teelöffel Honig mehr hinein.
Schritt 5: Ziehen lassen und servieren
Fülle den Aufstrich in ein 300-ml-Glas, streiche ihn glatt und decke ihn ab. Stelle ihn 30 Minuten kalt, damit der Apfelsaft in die Creme zieht und die Schärfe sich legt. Rühre vor dem Servieren einmal durch und probiere erneut; oft fehlt jetzt noch eine kleine Prise Salz. Serviere kühl, auf kräftigem Roggenbrot oder neben kaltem Braten.
Omas Tipps
- Nimm einen festen, säuerlichen Apfel. Boskop oder Elstar geben Saft ab, behalten aber Biss, und ihre Säure hält die Süße des Honigs im Zaum. Ein mehliger, sehr süßer Apfel wie ein überreifer Golden zerfällt beim Reiben zu Mus und macht den Aufstrich pappig.
- Grob für den Apfel, fein für den Meerrettich. Zwei verschiedene Reibeseiten sind hier kein Luxus. Die Apfelstückchen sollen man zwischen den Zähnen spüren, die Meerrettichfasern dagegen sollen völlig verschwinden, sonst hast du beim Kauen plötzlich einen scharfen Strang im Mund.
- Zu Räucherfisch etwas weniger Honig. Wenn du den Aufstrich zu geräucherter Forelle oder Makrele reichst, lass den Honig auf einen halben Teelöffel sinken und gib dafür einen zusätzlichen Spritzer Zitrone dazu. Die Süße würde sonst mit dem Rauchgeschmack streiten.
Aufbewahrung & Haltbarkeit
Der Aufstrich hält sich im verschlossenen Glas 3 Tage im Kühlschrank, also kürzer als ein reiner Meerrettich-Dip, weil der geriebene Apfel Wasser zieht. Drücke die Oberfläche mit dem Löffelrücken glatt an, so bleibt weniger Luft daran, und nimm immer mit einem sauberen Löffel heraus. Es kann sich etwas Apfelsaft absetzen; das ist kein Verderb, rühre ihn einfach wieder unter oder gieße ihn ab, wenn dir der Aufstrich zu weich wird. Sollte sich die Oberfläche bräunlich verfärben, hebe die oberste Schicht ab, darunter ist der Aufstrich hell.
Einfrieren ist hier keine gute Idee. Der Apfel besteht überwiegend aus Wasser, das beim Gefrieren Kristalle bildet und die Zellwände sprengt; nach dem Auftauen hast du eine wässrige, matschige Masse ohne Biss. Der Schmand flockt zusätzlich aus, und die Schärfe des Meerrettichs verschwindet fast vollständig. Rühre lieber die halbe Menge an, wenn du weißt, dass du nicht alles in drei Tagen aufbrauchst.
Häufige Fragen
- Warum wird mein Aufstrich nach ein paar Stunden flüssiger?
- Das Salz zieht Wasser aus den Apfelraspeln, das sammelt sich am Boden des Glases. Gieße die Flüssigkeit ab oder rühre einen zusätzlichen Esslöffel Schmand unter, dann bindet die Masse wieder. Wenn du den Apfel vor dem Untermischen kurz ausdrückst, passiert es deutlich weniger.
- Kann ich den Honig durch Zucker ersetzen?
- Ja, ein gestrichener Teelöffel Zucker entspricht der Menge Honig. Löse ihn vorher im Zitronensaft auf, sonst knirscht er im fertigen Aufstrich zwischen den Zähnen. Geschmacklich fehlt dann die leichte blumige Note, die den Apfel abrundet.
- Wozu passt der Aufstrich außer zu Brot?
- Er ist gut als Klecks auf Pellkartoffeln und neben kaltem Schweinebraten oder Tafelspitz. Auch zu gekochtem Rindfleisch mit Salzkartoffeln passt er, weil die Apfelsäure das Fett auffängt. Zum Erwärmen taugt er nicht, der Schmand gerinnt.

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