Quitten-Likör: Omas goldener Herbstlikör, der 6 Monate hält!
Quitten sind eigenartige Früchte. Hart wie Holz, roh ungenießbar, mit einem pelzigen Flaum, den man erst abreiben muss. Und dann liegen sie in der Küche und duften tagelang so intensiv, dass jeder fragt, was das ist. Meine Mutter hat immer gesagt, eine Quitte sei eine Frucht, die man verdienen muss. Wer sich die Mühe macht, bekommt ein Aroma, das keine andere Frucht liefert: honigartig, blumig, ein bisschen nach Apfel und Rose zugleich.
Genau dieses Aroma fängt der Likör ein, und zwar besser als jedes Gelee. Du brauchst kein Entkernen bis ins Letzte, kein langes Kochen, keine Gelierprobe. Du schneidest, schichtest, gießt auf und wartest acht Wochen. Was danach in der Flasche steht, ist goldgelb, weich und hält sich gut sechs Monate, ohne dass es an Duft verliert. Ein Likör für lange Abende, wenn draußen der Nebel über dem Garten liegt.
Zutaten
- 1,2 kg reife gelbe Quitten
- 450 g weißer Zucker
- 250 ml Wasser
- 750 ml Korn oder Wodka mit 40 % vol.
- 2 Streifen unbehandelte Zitronenschale, je etwa 6 cm lang
- 1 Vanilleschote, längs aufgeschlitzt
- 4 grüne Kardamomkapseln, leicht angedrückt
- 1 kleines Stück Ingwer, etwa 2 cm, geschält und in Scheiben
Zubereitung
Schritt 1: Quitten putzen
Reibe den grauen Flaum mit einem rauen Küchentuch gründlich von der Schale, er schmeckt bitter und trübt den Likör. Wasche die Früchte danach heiß ab und trockne sie. Viertle die Quitten mit einem kräftigen Messer auf einem stabilen Brett, das Fruchtfleisch ist sehr hart, nimm dir Zeit dafür. Entferne die Kerngehäuse vollständig, die Kerne enthalten Blausäureverbindungen und gehören nicht in den Ansatz.
Schritt 2: In kleine Stücke schneiden
Schneide die Viertel in etwa 1 cm dicke Scheiben oder kleine Würfel. Je kleiner die Stücke, desto mehr Aroma geht in den Alkohol über, denn Quitte gibt ihren Duft nur langsam ab. Die Schale lässt du dran, sie trägt einen großen Teil des Aromas. Arbeite zügig, weil sich die Schnittflächen an der Luft bräunlich verfärben.
Schritt 3: Sirup kochen und abkühlen
Löse den Zucker in 250 ml Wasser bei mittlerer Hitze vollständig auf und lass die Mischung 10 Minuten leise ziehen, bis sie klar und leicht sirupartig ist. Rühre gelegentlich um, damit nichts am Boden ansetzt. Nimm den Topf vom Herd und lass den Sirup auf Zimmertemperatur abkühlen. Warmer Sirup würde die Quittenstücke weich kochen und den Likör breiig machen.
Schritt 4: Ansetzen
Fülle die Quittenstücke in ein heiß ausgespültes Glas von mindestens 3 Litern. Gib Zitronenschale, Vanilleschote, Kardamomkapseln und Ingwerscheiben dazu. Gieße zuerst den kalten Sirup, dann den Korn auf, bis alles gut zwei Finger breit bedeckt ist. Verschließe das Glas fest und beschrifte es mit dem Datum, acht Wochen sind lang genug, um sich zu verzählen.
Schritt 5: Acht Wochen reifen lassen
Der Ansatz steht dunkel und kühl, ideal bei 15 bis 18 Grad. Schüttle das Glas in den ersten zehn Tagen jeden Tag, danach einmal pro Woche. Die Flüssigkeit wird zunächst blass, ab der vierten Woche zunehmend goldgelb. Quitte braucht diese volle Zeit, bei vier Wochen schmeckt der Likör noch dünn und scharf.
Schritt 6: Filtern und abfüllen
Gieße den Ansatz durch ein Sieb, fange die Flüssigkeit auf und filtere sie anschließend ein zweites Mal durch einen Kaffeefilter. Das dauert, geht aber nicht schneller, wenn du drückst, im Gegenteil. Fülle den klaren Likör in saubere Flaschen, verschließe sie und lass sie zwei Wochen nachreifen, bevor du die erste öffnest.
Omas Tipps
- Kerngehäuse konsequent entfernen. Anders als bei Pflaumen willst du bei Quitten keine Kerne im Ansatz haben, sie geben einen unangenehm bitteren Beigeschmack ab. Ein Löffel oder ein kleiner Kugelausstecher hilft, das harte Kerngehäuse sauber herauszulösen.
- Kardamom sparsam dosieren. Vier angedrückte Kapseln unterstreichen das blumige Quittenaroma, sechs oder mehr drängen sich davor. Wenn du unsicher bist, nimm nur drei und leg beim Abfüllen eine frische Kapsel in die Flasche, das kannst du nach einer Woche noch korrigieren.
- Die Trester noch verwenden. Die abgetropften Quittenstücke sind nicht verloren: mit etwas Zucker und einem Schuss Wasser 20 Minuten eingekocht ergeben sie ein Kompott zu Milchreis. Es schmeckt kräftig nach Quitte und leicht nach Alkohol, für Kinder ist es nichts.
Aufbewahrung & Haltbarkeit
In fest verschlossenen, sauber ausgespülten Flaschen hält der Quitten-Likör problemlos 6 Monate in bester Qualität, und auch danach verdirbt er nicht, verliert aber etwas von seinem blumigen Duft. Stell die Flaschen dunkel und kühl, zum Beispiel in den Keller oder einen geschlossenen Schrank; direktes Tageslicht lässt das Goldgelb schnell blass werden. Eine geöffnete Flasche bewahrst du im Kühlschrank auf und trinkst sie innerhalb von acht Wochen, weil das feine Quittenaroma als Erstes nachlässt.
Einfrieren ist weder nötig noch sinnvoll. Mit rund 21 % vol. gefriert der Likör im Haushaltsgefrierfach nicht durch, sondern wird nur dickflüssig, und beim Auftauen kann sich Zucker am Flaschenboden absetzen. Zucker und Alkohol konservieren zuverlässig genug, dass die halbjährige Haltbarkeit ohne jede Kälte erreicht wird.
Häufige Fragen
- Muss ich die Quitten vorher dünsten?
- Nein, für den Likör werden sie roh angesetzt, der Alkohol löst das Aroma über die acht Wochen von selbst heraus. Gedünstete Quitten würden den Likör trüb und leicht mehlig machen. Wichtig ist nur, die Stücke klein genug zu schneiden.
- Kann ich Apfelquitten und Birnenquitten mischen?
- Ja, das ergibt sogar einen runderen Likör. Apfelquitten sind aromatischer und etwas herber, Birnenquitten milder und saftiger. Eine Mischung von etwa zwei Dritteln Apfelquitte zu einem Drittel Birnenquitte hat sich bei mir bewährt.
- Warum schmeckt mein Likör nach vier Wochen noch scharf?
- Das ist bei Quitte völlig normal, sie braucht deutlich länger als Beeren oder Pflaumen. Der Alkoholton legt sich erst gegen Ende der acht Wochen und noch einmal während der zwei Wochen Nachreife in der Flasche. Warte ab, nachträglich Zucker zuzugeben lohnt sich selten.

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