Bratapfel-Likör: Der Weihnachtslikör, den jeder nachmachen will!
Bratapfel war bei uns immer der Duft des vierten Advents. Meine Mutter schob die Aepfel mit Marzipan und Rosinen in den Ofen, und die ganze Wohnung roch nach Zimt und warmem Obst. Als ich vor einigen Jahren das erste Mal versucht habe, genau diesen Duft in eine Flasche zu bekommen, war ich selbst ueberrascht, wie nah man herankommt – naeher als jeder gekaufte Weihnachtslikoer aus dem Supermarktregal.
Der Trick liegt darin, die Aepfel wirklich vorher im Ofen zu backen, statt sie roh anzusetzen. Durch die Hitze karamellisiert der Fruchtzucker, die Schale gibt ihr Aroma ab, und genau dieser gebackene Ton unterscheidet den Likoer vom simplen Apfelschnaps. Der Rest ist Warten: vier Wochen im Glas an einem dunklen Platz, gelegentlich schuetteln, dann abseihen. Wer im November ansetzt, hat rechtzeitig zu Weihnachten Flaschen zum Verschenken.
Zutaten
- 1 kg saeuerliche Aepfel (Boskoop oder Elstar)
- 200 g brauner Zucker
- 2 Zimtstangen
- 4 Gewuerznelken
- 1 Sternanis
- 1 unbehandelte Zitrone (nur die Schale)
- 50 g Rosinen
- 700 ml Korn oder Wodka (38 % vol.)
- 200 ml Wasser
Zubereitung
Schritt 1: Aepfel backen
Heize den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vor. Wasche die Aepfel, entferne das Kerngehaeuse und schneide sie mit Schale in dicke Spalten. Verteile sie auf einem mit Backpapier belegten Blech, streue 50 g des braunen Zuckers darueber und backe sie 35 Minuten. Sie sollen weich sein und an den Raendern deutlich gebraeunt, fast ein wenig eingefallen – dieser dunkle Rand ist der ganze Geschmack.
Schritt 2: Zuckersirup kochen
Waehrend die Aepfel backen, gibst du den restlichen braunen Zucker mit dem Wasser in einen kleinen Topf und laesst ihn unter Ruehren aufkochen, bis sich alles vollstaendig geloest hat. Zwei Minuten leise koecheln lassen, dann vom Herd nehmen. Der Sirup muss vollstaendig abgekuehlt sein, bevor er mit dem Alkohol in Beruehrung kommt, sonst verfliegt ein Teil davon.
Schritt 3: Ansatzglas fuellen
Lege die noch lauwarmen Apfelspalten samt allem Saft vom Blech in ein grosses, sauberes Einmachglas. Gib Zimtstangen, Nelken, Sternanis, die duenn abgeschaelte Zitronenschale und die Rosinen dazu. Achte darauf, dass von der Zitrone nichts Weisses mitkommt, das macht den Likoer bitter. Giesse den abgekuehlten Sirup darueber.
Schritt 4: Mit Alkohol aufgiessen
Fuelle den Korn auf, bis alle Fruechte vollstaendig bedeckt sind – was herausschaut, kann schimmeln. Verschliesse das Glas fest und stelle es an einen dunklen, kuehlen Ort, zum Beispiel in den Keller oder hinten in den Kuechenschrank. Schuettle es in den ersten Tagen taeglich, danach einmal pro Woche. Nach vier Wochen hat der Ansatz eine tiefe Bernsteinfarbe.
Schritt 5: Abseihen und abfuellen
Giesse den Likoer durch ein feines Sieb, das du mit einem Mulltuch ausgelegt hast. Druecke die Apfelstuecke nur leicht aus, sonst wird der Likoer truebe und flockig. Lass ihn noch eine Nacht stehen, damit sich Schwebstoffe absetzen, und fuelle ihn dann vorsichtig in saubere Flaschen ab, ohne den Bodensatz mitzunehmen.
Omas Tipps
- Saeuerliche Aepfel nehmen. Suesse Sorten wie Gala ergeben einen flachen, faden Likoer, weil die Saeure fehlt, die dem Zucker Kontur gibt. Boskoop ist die klassische Bratapfelsorte und behaelt beim Backen genug Saeure, damit der fertige Likoer nicht klebrig-suess schmeckt.
- Sternanis nur einmal. Ein einzelner Sternanis gibt dem Likoer die weihnachtliche Tiefe, zwei uebernehmen nach zwei Wochen die ganze Flasche und schmecken dann nur noch nach Lakritz. Wenn du nach der Haelfte der Ziehzeit probierst und es dir schon kraeftig genug ist, fische ihn einfach heraus.
- Bratapfelsaft nicht wegkippen. Der karamellige Saft, der sich beim Backen auf dem Blech sammelt, ist das Konzentrat des ganzen Aromas. Loese ihn mit zwei Loeffeln des warmen Sirups vom Blech und gib alles mit ins Glas – ohne ihn fehlt dem Likoer genau die gebackene Note.
Aufbewahrung & Haltbarkeit
Fertig abgefuellt und dunkel gelagert haelt sich der Bratapfel-Likoer bei Zimmertemperatur mindestens ein Jahr, oft deutlich laenger. Er enthaelt keine Milchprodukte, muss also nicht in den Kuehlschrank; entscheidend ist nur, dass er dunkel steht, denn Licht laesst die schoene Bernsteinfarbe ausbleichen. Mit den Monaten werden die Gewuerze sogar runder und die scharfe Alkoholkante verschwindet. Ein leichter Bodensatz nach einigen Wochen ist normal – giesse einfach vorsichtig ab oder seihe noch einmal durch.
Einfrieren ist hier weder noetig noch moeglich: Bei diesem Alkoholgehalt wird der Likoer im Gefrierfach ohnehin nicht fest, und die Haltbarkeit bei Zimmertemperatur ist bereits hervorragend. Wenn du ihn eisgekuehlt magst, stelle die Flasche zwei Stunden vor dem Servieren ins Gefrierfach – dann wird er sirupartig dickfluessig und schmeckt besonders intensiv nach Zimt.
Haeufige Fragen
- Kann ich die Ziehzeit von vier Wochen abkuerzen?
- Nach zwei Wochen ist der Likoer schon trinkbar, aber der Apfelgeschmack bleibt duenn und der Alkohol steht deutlich vorne. Die letzten zwei Wochen sorgen dafuer, dass sich Nelke und Zimt mit der Frucht verbinden. Wenn es schneller gehen muss, erhoehe die Rosinenmenge auf 80 g, sie geben rasch Suesse und Koerper ab.
- Was mache ich mit den ausgesiebten Apfelstuecken?
- Wirf sie nicht weg – sie sind vollgesogen mit Gewuerz und Alkohol und schmecken hervorragend ueber Vanilleeis oder Milchreis. Im Kuehlschrank in einem verschlossenen Glas halten sie etwa eine Woche. Fuer Kinder sind sie wegen des Alkohols allerdings nicht geeignet.
- Mein Likoer ist truebe geworden – kann ich das noch retten?
- Das passiert fast immer, wenn die Apfelstuecke beim Abseihen zu kraeftig ausgedrueckt wurden. Stelle die Flasche zwei Tage kuehl und ruhig hin, dann setzen sich die Schwebstoffe unten ab, und du kannst den klaren Teil vorsichtig abgiessen. Am Geschmack aendert die Truebung ohnehin nichts.

Schreibe einen Kommentar